Demenzbetreuung & Beratung

für Betroffene und Angehörige

Erklärungen

Basale Stimulation

Die Basale Stimulation wurde von Prof. Andreas D. Fröhlich ab 1975 im Rahmen eines Schulversuches entwickelt, veröffentlicht und ist heute als Begriff markenrechtlich geschützt. Sie versteht sich ausdrücklich als pädagogisches Konzept und nicht als therapeutische Technik. Während Fröhlich das Konzept für den Bereich der Sonderpädagogik entwickelte, wurde das Konzept von Christel Bienstein in Zusammenarbeit mit Fröhlich in den Bereich der Pflege übertragen.

Basale Stimulation bedeutet die Aktivierung von Wahrnehmungsbereichen und Anregung primärer Körper- und Bewegungserfahrungen. Des weiteren dient dieses Angebot einer individuellen non-verbalen Kommunikationsform bei Menschen, die auf Grund ihrer mangelnden Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und deren Fähigkeit zur Wahrnehmung und Kommunikation erheblich beeinträchtigt sind. Mit einfachsten Möglichkeiten wird dabei versucht, den Kontakt zu diesen Menschen aufzunehmen, um ihnen den Zugang zu ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen zu ermöglichen und Lebensqualität zu erleben.

Körperstimulation:
  • Deutlicher Druck bei der Körperpflege (Waschen, Abtrocknen, Einreiben, Massieren); Richtung: vom Körperstamm
  • Erweitertes Reizangebot durch Wechsel der Wassertemperatur, verschieden harte Waschlappen, Schwämme und Handtücher, diverse Waschzusätze
Haptische Stimulation (Tast- und Greifsinn):
  • "Begreifen" unterschiedlicher Materialien"
  • Hände unter fließendes Wasser halten
  • Sich selbst eincremen
Orale Stimulation:

(Besonders wichtig für Patienten, die parenteral ernährt werden, aber auch für Personen mit Schluckstörungen, um deren Gefühl für den Mundbereich zu fördern und zu erhalten)

  • Regelmäßiges Bestreichen von Lippen, Zähnen, Zunge und einem Teil des Gaumens mit den Fingern oder einem großen Wattetupfer (z.B. bei der Mundpflege)
  • Fördern von Lutsch- und Schluckbewegungen durch harte Brotrinden, Bratenkruste oder Kaugummi
Olfaktorische Stimulation:

(Vertraute Gerüche fördern die Erinnerung!)

  • Körperpflege mit Parfum, Deo oder Rasierwasser, das dem Kranken lieb und vertraut ist
  • Anregung des Geruchssinnes durch Blumen, ätherische Öle und Essensdüfte. Sie überdecken den mitunter typischen Geruch der Betreuungseinrichtung und verbessern so die Atmosphäre.
Snoezelen

Ursprünglich entwickelt für Menschen mit Mehrfachbehinderungen, hat das Wohlfühl- und Beschäftigungskonzept aus den Niederlanden den Weg in die Demenzbetreuung gefunden.

Der Umgang mit Menschen, die durch eine Demenz ihre Fähigkeiten verlieren, sich auszudrücken, ist für Angehörige und Pflegepersonal oft nicht leicht. Gerade deshalb, weil es manchmal so schwer ist eine entspannte Atmosphäre zu schaffen oder eine schöne Erinnerung wachzurufen, ist das Ziel jeder Methode in der Demenzbetreuung einen Zugang, gegebenfalls auch non-Verbal, zu den kranken Menschen zu finden.

Um die Wahrnehmung Betroffener anzuregen, Sinne anzusprechen, positive Gefühle und Erinnerungen zu wecken, werden unterschiedlichste Materialien eingebunden

  • Gegenstände, mit denen sich Klänge und Töne erzeugen lassen (z.B. Klangschalen, Windspiele, Glocken)
  • Abspielgeräte für Musik aller Art
  • Duftaromen
  • Tastgegenstände
  • weiche Kissen mit unterschiedlicher Struktur, Matratzen, Liegen, Sessel, Schaukelstühle
  • Installationen wie z.B. eine Wassersäule, Lavalampen oder Mobiles
  • Lichtspiele (Projektion an Wand oder Decke)
Biographiearbeit

Die Biographiearbeit dient als Kommunikationsmittel sowohl für den Patienten als auch für alle weiteren, die den erkrankten Menschen begleiten.

Befindnisse, Erlebnisse und Gewohnheiten werden ermittelt und bei der Therapie bzw. dem alltäglichen Umgang kann entsprechend darauf Rücksicht genommen werden.

Neben diesem therapeutischen Effekt hilft die Biographiearbeit dem Erkrankten selbst, sich besser an Ereignisse und Geschehnisse zu erinnern. Auch für die Angehörigen stellt sie ein wichtiges Kommunikationsmittel dar.

Schon durch das Erstellen einer Biographie erinnert man sich häufig an längst verloren geglaubte Ereignisse oder an mehr Details bedeutender Geschehnisse. Dadurch erlangt der Patient zu Erfolgserlebnissen und hilft sein Leben trotz der Einschränkungen, die die Erkrankung mit sich bringt, zu meistern.

Der Betroffenen sollten dazu animiert werden, eine Biographie zu erstellen. Dazu reicht es oft, einen Anstoß zu geben. So kann man nach der ersten großen Liebe fragen oder auf bestimmte Kindheitserlebnisse eingehen.

Biographiearbeit für Demenz- und Alzheimer-Patienten bildet einen relevanten Aspekt in der Therapie und hilft sowohl dem Patienten als auch den Angehörigen, Pflegern und Ärzten bei der Kommunikation miteinander.

Integrative Validation
  • Integrative Validation ist eine Methode für Pflege- und Betreuungskräfte für den Umgang und die Kommunikation mit Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind.
  • Diese Validationsmethode wurde von Nicole Richard begründet.
  • Die Integrative Validation basiert auf einer gewährenden und wertschätzenden Grundhaltung.
  • Sie konzentriert und orientiert sich an den Ressourcen und der Erfahrungswelt dieser Menschen: Sie äußern Gefühle (z .B. Trauer, Ärger, Mißtrauen und z. B. Ordnungssinn, Fürsorge), die zunehmend Zentrum ihres Erlebens und Grundlage ihres Verhaltens sind.
  • Die Integrative Validation bestätigt und benennt diese Gefühle und Antriebe, erklärt sie für gültig und richtungsweisend. Menschen mit Demenz fühlen sich verstanden und ernstgenommen. Die Integrative Validation baut Vertrauen auf, wirkt identitätsgebend und stärkt durch das Aufgreifen von Gefühlen und Antrieben die lebendigen Kompetenzen der Betroffenen.